Weiterbildungsmarkt: Situation und Trends

Auf der ersten Sitzung des iBoB-Projektbeirats am 22.9.2017 in Kassel erläuterte Andreas Vollmer, Geschäftsführer der Studiengemeinschaft Darmstadt (sgd), Situation und Trends am Weiterbildungsmarkt aus Sicht eines privatwirtschaftlichen Bildungsanbieters.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts nehmen jährlich etwa sieben Millionen Menschen an einer berufsbezogenen Weiterbildung teil. Dieses Marktsegment setzt sich zu 50% aus betriebsintern organisierten Angeboten, zu 40% aus privatwirtschaftlichen Anbietern und zu 10% aus Bildungsanbietern der öffentlichen Hand zusammen. Der erwirtschaftete Umsatz beträgt etwa 35 Milliarden Euro, von denen etwa eine Milliarde Euro beruflichen Weiterbildungen behinderter Menschen zugeordnet werden können. Diese Summe kann aber aufgrund der fehlenden Trennschärfe von staatlichen Kostenträgern und Eigenleistungen nicht als verlässliche Größe betrachtet werden. Grundsätzlich sei aber laut Bundesministerium für Bildung und Forschung festzustellen, dass die betrieblich organisierten Weiterbildungen sich inzwischen – wenn auch auf einem hohen Niveau – konsolidierten, die individuell organisierten Weiterbildungen sogar leicht rückläufig seien.

Es lassen sich die folgenden fünf Trends am Weiterbildungsmarkt feststellen:

  1. Die Nachfrage nach berufsbezogenen Weiterbildungen verhält sich antizyklisch zur allgemeinen Beschäftigungslage.
  2. Höhere Bildungsgrade erleichtern die Teilnahme an Weiterbildungen. Trend zur Bachelorisierung
  3. Die abnehmende Halbwertszeit des Wissens veranlasst Arbeitgeber verstärkt in Weiterbildungen der Arbeitnehmer zu investieren.
  4. Die zunehmende Nutzung digitaler Techniken verändert insbesondere den Fernlehrebereich hinsichtlich Kommunikation und Interaktion; dies ist zugleich Chance und Risiko.
  5. Die zunehmende Flexibilisierung und Individualisierung führt zur verstärkten Nachfrage nach „maßgeschneiderten Angeboten“.

Die genannten Trends wirken sich auf die Nachfrage teilweise dämpfend aus, können aber unter Umständen auch als verstärkende Faktoren auftreten.

Die Akteure am Weiterbildungsmarkt lassen sich entweder der Gruppe der „öffentlichen Anbieter“ (z.B. Meisterschulen, Kammern, IHK, VHS) oder der Gruppe der „privatwirtschaftlichen Anbieter“ zuordnen: Letztere setzt sich größtenteils aus Spezialanbietern (z.B. Sprachschulen) und sehr wenigen Universalanbietern zusammen.

Die Fernlehre ist wesentlich durch die Schriftform sowohl hinsichtlich der Lehrmaterialien als auch der Kommunikation der Beteiligten charakterisiert. Inzwischen setzen alle Fernlehreanbieter für die Kommunikation und Distribution der Studienbriefe Webplattformen ein. Dennoch zeichnet sich die Abwendung von der Schriftform hin zu Videoformaten (Webinaren) ab, deren Einsatz aber genau abgewogen werden muss, um die Möglichkeit flexibler Zeitgestaltung zu eröffnen, aber mediale Überladung zu vermeiden.

Der methodische Ansatz der Fernlehre als kommunikationsgestützter Prozess ist grundsätzlich inklusiv gestaltet, da die individuelle tutorielle Begleitung zum Ziel hat, jedem Lernenden über Hürden hinwegzuhelfen.

In der anschließenden Diskussion wurde erörtert, ob man Anforderungen zur Barrierefreiheit im Fernunterrichtsschutzgesetzverankern könnte. Hintergrund ist die Schriftform bei der Anmeldung. In juristischer Kooperation zwischen SGD und DVBS wird bereits überprüft, inwieweit die händische Unterschrift durch eine barrierefreie Alternative ersetzt werden kann bzw. ob die Unterschrift entfallen kann.

Arbeitgeber zeigen sich eher geneigt, kurzwährende Kurse zu fördern, und  sie fragen verstärkt eine Modularisierung der Kursangebote nach. In Folge dessen werden vermehrt sogenannte „Lernnuggets“ entwickelt. Selbstzahler hingegen präferieren weiterhin die umfassenden Weiterbildungsangebote.

Eine Konkurrenz durch kostenlose onlinebasierte Selbstlern-Angebote (MOOC = Massiv open online Course) bemerken die privaten Bildungsanbieter nicht, sehr wohl allerdings durch die staatlich geförderten Weiterbildungsprojekten an Hochschulen. Allerdings mangele es bei diesen Angeboten an einer engmaschigen Betreuung durch Tutoren.