Weiterbildungsfinanzierung (Stand: März 2018)

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine Weiterbildung zu finanzieren. Die Palette der Finanzierungsmöglichkeiten reicht von der vollständigen Übernahme aller Weiterbildungskosten, über anteilige Bezuschussung bis hin zur Möglichkeit, die Kosten bei der Steuer geltend zu machen. Ob Sie eine bestimmte Förderung erhalten, hängt häufig von Ihrer persönlichen Lebens- und Arbeitssituation und der angestrebten Weiterbildung ab. Bedenken Sie bei der Kalkulation der Kosten für eine Weiterbildung , dass außer den reinen Lehrgangskosten auch Nebenkosten anfallen können, wie Weiterbildungsmaterial, Fahrt- und Übernachtungskosten und ggf. Kosten für bestimmte Hilfsmittel oder Arbeitsassistenz.
Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der gängigsten Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten mit Grundinformationen und weiterführenden Links. So können Sie sich einen Überblick darüber verschaffen:

  • was gefördert wird,
  • wer unter welchen Bedingungen gefördert wird,
  • wie gefördert wird.

Bundesweit gültige Fördermöglichkeiten

Bildungsprämie (Prämien- und Spargutschein)

Prämiengutschein

Der Bund fördert berufsbezogene Weiterbildungen (inklusive Prüfungen) folgender Personenkreise:

  1. Personen, die mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sind (angestellt oder selbstständig)
  2. Personen, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen 20.000 € beträgt
  3. Personen, die in einer zugelassenen Beratungsstelle waren.

Der Prämiengutschein kann jährlich in Anspruch genommen werden.  In den meisten Bundesländern kann er unabhängig von der Höhe der Veranstaltungsgebühren eingesetzt werden (Ausnahmen: Weiterbildungen, die in Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein stattfinden: dort dürfen Weiterbildungen max. 1000 € kosten). Übernommen werden 50 Prozent der Veranstaltungsgebühren (maximal 500 €).

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.bildungspraemie.info oder der kostenlosen Hotline 0800 26 23 000.

Spargutschein

Der Bund fördert berufsbezogene Weiterbildungen (inklusive Prüfungen) von Personen,

  1. die über ein gefördertes Ansparguthaben nach dem Vermögensbildungsgesetz verfügen (vermögenswirksame Leistungen),
  2. die in einer zugelassenen Beratungsstelle waren.

Der Spargutschein kann unabhängig von Einkommen, Alter und Erwerbsstatus und zusammen mit dem Prämiengutschein in Anspruch genommen werden. Er ermöglicht die vorzeitige Entnahme des Ansparguthabens nach dem Vermögensbildungsgesetz, ohne Verlust der Arbeitnehmersparzulage.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.bildungspraemie.info oder der kostenlosen Hotline 0800 26 23 000.

Aufstiegs-BAföG

Der Bund fördert Lehrgänge oder Fachschulen von zertifizierten Anbietern, die auf eine anspruchsvolle berufliche Fortbildungsprüfung wie Meister*in, Fachwirt*in, Techniker*in, Erzieher*in oder Betriebswirt*in oder auf eine von mehr als 700 vergleichbaren öffentlich-rechtlichen Qualifikationen vorbereiten. Die Kurse müssen mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen, die in Vollzeit innerhalb von maximal 3 Jahren, in Teilzeit innerhalb von maximal 4 Jahren absolviert werden.  Anspruchsberechtigt sind:

  1. Personen, die die Zulassungsvoraussetzungen für den angestrebten Abschluss erfüllen (meistens abgeschlossene Erstausbildung)
  2. Personen, die noch kein Aufstiegs-Bafög in Anspruch genommen haben – gefördert wird eine Aufstiegsweiterbildung pro Person (nicht zwangsläufig die erste),
  3. Bachelor-Absolvent*innen und Personen ohne Erstausbildung (z.B. Studienabbrecher, Abiturient*innen mit Berufserfahrung), die eine Aufstiegsqualifizierung anstreben.

Die Förderung kann unabhängig von Alter, Einkommen und Vermögen in Anspruch genommen werden. Gefördert wird durch Zuschüsse zu:

  • Lehrgangs- und Prüfungsgebühren in Höhe der tatsächlich anfallenden Gebühren bis zu 15.000 €,
  • Materialkosten bis zu 2.000 €,
  • Unterstützung zum Lebensunterhalt (z.B. Kinderbetreuungszuschlag für Alleinerziehende).

40% der Förderung wird als Zuschuss gewährt (muss nicht zurückgezahlt werden). Der Rest der Fördersumme wird als zinsgünstiges Bankdarlehen der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gewährt, dessen Rückzahlung erst nach der Weiterbildung beginnt.  Bei erfolgreicher Prüfung werden 40% des Darlehens erlassen. Bei Unternehmensgründung werden bis zu 66% erlassen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter: www.aufstiegs-bafoeg.de oder der kostenlosen Hotline 0800 / 622 36 34.

Weiterbildungsstipendium

Der Bund fördert beliebig viele berufsbegleitende Weiterbildungen zum Erwerb fachbezogener Qualifikationen, zur Vorbereitung auf Prüfungen der beruflichen Aufstiegsfortbildung z.B. Meister*in, Techniker*in, Fachwirt*in, zum Erwerb fachübergreifender und sozialer Kompetenzen (z.B. EDV, Sprachen, Rhetorik, Mitarbeiterführung). Unter bestimmten Voraussetzungen werden auch berufsbegleitende Studiengänge gefördert, die auf der Ausbildung oder Berufstätigkeit fachlich/inhaltlich aufbauen. Anspruchsberechtigt sind:

  1. Personen unter 25 Jahren (mit Anrechnungszeiten max. 28 Jahre),
  2. Personen, die zum Zeitpunkt der Beantragung eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden haben oder bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet sind,
  3. Personen mit einem Nachweis über ihre besondere Leistungsfähigkeit in Ausbildung und Beruf (Ausbildungen nach BBiG/HwO oder bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberuf). Mögliche Nachweise sind:
    • Abschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten oder besser als „gut“ (bei mehreren Prüfungsteilen Durchschnittsnote 1,9 oder besser) oder
    • Platzierung unter den ersten Drei bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb oder
    • Nachweis der besonderen Qualifikation durch einen begründeten Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule.

Gefördert wird durch Zuschüsse für die Kosten von Weiterbildungen in Höhe von insgesamt maximal 7.200 € verteilt auf drei Förderjahre. Je Maßnahme besteht ein Eigenanteil von 10%. Als Kosten werden anerkannt:

  • Maßnahme- und Prüfungskosten,
  • Fahrtkosten,
  • Aufenthaltskosten,
  • notwendige Arbeitsmittel (auch zur Anschaffung eines Computers im ersten Förderjahr in Verbindung mit einer Maßnahme).

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter
https://www.bmbf.de/de/das-weiterbildungsstipendium-883.html
und unter https://www.sbb-stipendien.de/weiterbildungsstipendium.html

Aufstiegsstipendium (Bund)

Der Bund fördert mit diesem Programm ein Erststudium in Vollzeit oder berufsbegleitend an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule (jährlich rund 1000 Stipendien). Anspruchsberechtigt sind:

  1. Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder Aufstiegsfortbildung,
  2. Personen mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung nach Ausbildungsabschluss,
  3. Personen ohne Hochschulabschluss (eine Bewerbung ist noch bis zur Beendigung des zweiten Studiensemesters möglich),
  4. Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft oder dem Recht auf Daueraufenthalt bzw. Niederlassungserlaubnis,
  5. Personen mit einem Nachweis über ihre besondere Leistungsfähigkeit in Ausbildung und Beruf.

Mögliche Nachweise sind:

  • Abschlussprüfung (Berufsabschluss oder Aufstiegsfortbildung) mit mindestens 87 Punkten oder Durchschnittsnote 1,9 oder besser oder
  • Platzierung unter den ersten Drei bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb oder
  • Nachweis der besonderen Qualifikation durch einen begründeten Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule.

Nach der Bewerbung erfolgt ein dreistufiges Auswahlverfahren. Die Förderung ist einkommensunabhängig. Über die gesamte Dauer des Studiums wird eine Pauschale gezahlt. Im Vollzeitstudium beträgt diese monatlich 815€ sowie ggf. 130€ Betreuungspauschale pro Kind unter 10 Jahren. Bei einem berufsbegleitenden Studium werden jährlich 2400€ gezahlt. Außerdem erhalten Stipendiaten ideelle Förderung durch Seminare, regionale Austauschgruppen und der Möglichkeit der Vernetzung über eine exklusive Kommunikationsplattform.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter: www.bmbf.de/aufstiegsstipendium und unter: www.sbb-stipendien.de/sbb.html

Förderung beruflicher Weiterbildung nach SGB III und SGB II durch die Agentur für Arbeit

Es werden berufliche Weiterbildungen von Bildungseinrichtungen gefördert, die durch eine fachkundige Stelle für die Förderung zugelassen sind (AZAV), z.B. nachträglicher Erwerb eines Hauptschulabschlusses, Erwerb von Grundkompetenzen, Erwerb eines Berufsabschlusses, umschulungsbegleitende Hilfen. Anspruchsberechtigt sind nach SGB III und SGB II leistungsberechtigte Erwerbsfähige, bei denen eine Weiterbildung notwendig ist, um ihre Vermittlungschancen zu erhöhen, damit Arbeitslosigkeit beendet oder eine drohende Arbeitslosigkeit abgewendet werden kann oder um einen fehlenden Berufsabschluss nachzuholen. Voraussetzung für die Bewilligung ist eine Beratung durch die für Sie zuständige Agentur für Arbeit bei der geprüft wird, ob Sie an der Weiterbildung voraussichtlich erfolgreich teilnehmen können und ob Sie sich für den ausgewählten Beruf eignen. Dabei werden Ihre Fähigkeiten, Ihr bisheriger beruflicher Werdegang, Ihre Vorkenntnisse und Ihre persönlichen Voraussetzungen wie Eignung und Mobilität berücksichtigt. Gefördert wird durch die Übernahme der Weiterbildungskosten je nach Absprache (z. B. Lehrgangs-, Fahrt- und Materialkosten) und ggf. Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes während der Maßnahme. Die individuell getroffene Absprache wird durch die Ausstellung eines Bildungsgutscheins mit Vermerk des Bildungsziels, der Dauer der Maßnahme und des regionalen Geltungsbereichs festgehalten. Dieser Bildungsgutschein kann dann bei einem entsprechenden Weiterbildungsanbieter eingelöst werden.

Weiterführenden Informationen erhalten Sie unter www.arbeitsagentur.de und bei Ihrer Agentur für Arbeit vor Ort, Terminvereinbarung: 0800 4 555500 (kostenlos)

Sonderprogramm der Agentur für Arbeit WeGeBau

Es werden Weiterbildungen von Beschäftigten kleinerer und mittlerer Unternehmen gefördert, die im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses bei Fortzahlung des Lohnes durchgeführt werden. Die Lehrgänge müssen entweder zu einem Berufsabschluss führen oder Kenntnisse vermitteln, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Die Weiterbildung und die Bildungseinrichtung müssen durch eine fachkundige Stelle für die Förderung zugelassen sein (AZAV). Zielgruppe sind geringqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in kleinen und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten, die vom Arbeitgeber für die Dauer der Qualifizierung unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts freigestellt werden. Als Geringqualifiziert gelten Beschäftigte ohne Berufsabschluss oder mit Berufsabschluss, wenn sie seit mindestens 4 Jahren einer an- oder ungelernten Tätigkeit nachgehen und den erlernten Beruf nicht mehr ausüben können.

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt und überprüft sind wird ein Bildungsgutschein ausgegeben. Auf dem Bildungsgutschein sind das Bildungsziel, die Dauer der Maßnahme und der regionale Geltungsbereich vermerkt. Sie müssen ihn bei einer Bildungseinrichtung Ihrer Wahl einlösen, solange er gültig ist. Der Bildungsgutschein enthält auch Angaben dazu, welche Weiterbildungskosten (zum Beispiel Lehrgangskosten oder Fahrtkosten) übernommen werden.

Weiterführenden Informationen erhalten Sie unter www.arbeitsagentur.de und bei Ihrer Agentur für Arbeit vor Ort, Terminvereinbarung: 0800 4 555500 (kostenlos)

Bildungsurlaub

Zum Bildungsurlaub hat jedes Bundesland spezifische Regelungen. In Bayern und Sachsen gibt es keinen Bildungsurlaub. Es wird die Teilnahme an anerkannten beruflichen, politischen oder kulturellen Bildungsveranstaltungen gefördert. In der Regel können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Auszubildende, Beamtinnen und Beamte mit Hauptwohnsitz im jeweiligen Bundesland teilnehmen. Dafür muss der Bildungsurlaub beim Arbeitgeber beantragt werden. Es handelt sich um eine bezahlte Arbeits-Freistellung für maximal 5 Tage für eine Veranstaltung pro Jahr. Die Anzahl der Tage kann vom Alter abhängen. Es besteht die Möglichkeit Bildungsurlaub einmalig ins nächste Jahr zu übertragen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter: http://www.iwwb.de/weiterbildung.html?seite=26 und unter https://www.test.de/Bildungsurlaub-Diese-Rechte-haben-Arbeitnehmer-5021807-0/

Weiterbildungsscheck

Eine verbreitete Förderung, die es derzeit nicht in allen Bundesländern gibt, ist der Weiterbildungsscheck (oder auch benannt als „Weiterbildungsbonus“, „Bildungsscheck“ oder „Quali-Scheck“). Die Förderbedingungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In der Regel werden berufliche Weiterbildungen mit und ohne Abschluss gefördert, mit denen Erwerbstätige ihre beruflichen Kenntnisse erweitern oder an aktuelle Entwicklungen anpassen. Je nach Bundesland können auch berufsbegleitende Studiengänge unterstützt werden. An wen sich die Förderung richtet ist bundeslandspezifisch. Die Länder legen ebenfalls einzeln fest, bis zu welcher Obergrenze eine Förderung erfolgen kann (zum Beispiel 50 Prozent der Lehrgangskosten oder maximal 1.000 Euro). Ergänzend ist eine finanzielle Eigenbeteiligung vorgesehen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter: https://www.test.de/Leitfaden-Weiterbildung-finanzieren-Weiterbildung-zahlt-sich-aus-4886405-4886407/

Bundesländerspezifische Förderprogramme

Neben diesen bundesweit geltenden Fördermöglichkeiten haben viele Bundesländer eigene Förderprogramme, die unterschiedliche Zielgruppen unterstützen. Eine Übersicht der verschiedenen landesspezifischen Fördermöglichkeiten finden Sie in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter: www.foerderdatenbank.de

Stipendien

Stipendien für Weiterbildungen sind immer noch selten, aber es gibt vereinzelt Stiftungen, Länder und Kommunen, die Weiterbildungsinteressierte finanziell unterstützen. Dafür muss man nicht zwangsläufig besonders begabt oder bedürftig sein. Man kann ein Stipendium auch zusätzlich zu anderen Förderungen erhalten. Unter der folgenden Adresse können Sie nachsehen, ob es ein Stipendium gibt, das für Sie in Frage kommt: https://www.stipendienlotse.de/datenbank.php

Leistungs- bzw. Rehabilitationsträger

Neben den bislang genannten Förderprogrammen lohnt es sich immer, mit Ihrem zuständigen Leistungs- bzw. Rehabilitationsträger über eine Fördermöglichkeit Ihrer Weiterbildung zu sprechen. Als Rehabilitationsträger kommen folgende Institutionen in Frage: Bundesagentur für Arbeit, Rentenversicherungsträger, Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (z. B. Berufsgenossenschaft), Träger der sozialen Entschädigung (z. B. Landesversorgungsämter, Versorgungsämter, Hauptfürsorgestellen), Träger der öffentlichen Sozialhilfe und Jugendhilfe. Außerdem können sich behinderte Menschen immer auch an das für Sie zuständige Integrationsamt wenden.

Gemeinsame Servicestellen

Wenn Sie sich unsicher sind, welcher Leistungsträger für Sie zuständig ist, können Sie sich an die nächste gemeinsame Servicestelle wenden. Bundesweit sind diese eingerichtet worden, um ratsuchende Bürgerinnen und Bürger in allen Fragen der Rehabilitation zu unterstützen und zu beraten. Sie klären Anliegen, nehmen Anträge auf und ermitteln den zuständigen Rehabilitationsträger. Gemeinsam klären sie spezielle Fragestellungen und koordinieren bei Bedarf mehrere Reha-Leistungen.

Unter dem folgenden Link können Sie nach der für Sie zuständigen Reha-Servicestelle suchen: http://www.reha-servicestellen.de/

Argumentation für die Notwendigkeit einer Weiterbildung

Bedenken Sie bei Ihrer Argumentation für eine Weiterbildung stets, dass das Ziel des Leistungsträgers ist, Sie dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren und die Förderung einer beruflichen Weiterbildung eine „Kann“-Leistung ist. Daher wird vor einer Finanzierung die Notwendigkeit der Weiterbildung und Ihr voraussichtlicher Erfolg genau geprüft. Notwendig ist eine Weiterbildung für einen Leistungsträger, wenn durch sie:

  • Arbeitslosigkeit beendet werden kann oder
  • eine drohende Arbeitslosigkeit abgewendet werden kann (z.B. Ihr derzeitiger Arbeitgeber Sie ohne Weiterbildung nicht weiter beschäftigen würde) oder
  • um einen fehlenden Berufsabschluss nachzuholen.

Stellen Sie sich daher vor Ihrer Kontaktaufnahme mit einem Leistungsträger oder einer gemeinsamen Reha-Servicestelle folgende Fragen: Ist die Weiterbildung notwendig für Ihre Weiterbeschäftigung bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber? Verbessern sich Ihre Einstellungschancen deutlich, wenn Sie die von Ihnen angestrebte Weiterbildung absolviert haben? (Auch wenn Sie derzeit in Arbeit sind, kann diese Frage im Falle eines befristeten Arbeitsverhältnisses oder bei drohender Insolvenz oder Kündigung des Arbeitgebers relevant sein.) Besteht auf dem Arbeitsmarkt ein reeller Bedarf an der von Ihnen angestrebten Qualifikation? (Kann zum Beispiel durch Stellenangebote oder die an die Weiterbildung gebundene Einstellungszusage eines Arbeitgebers nachgewiesen werden.)

Falls Sie einen negativen Bescheid erhalten, scheuen Sie sich nicht davor, Widerspruch gegen diesen einzulegen. Nähere Informationen finden Sie bei der rbm (Rechte behinderter Menschen): http://www.rbm-rechtsberatung.de/tipps/verfahren-und-fristen/

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Können behinderte Menschen an üblichen Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung teilnehmen, erhalten sie grundsätzlich die gleichen Förderungen wie nichtbehinderte Menschen. Wenn jedoch wegen der Art und Schwere einer Behinderung besondere Maßnahmen oder spezielle Reha-Einrichtungen erforderlich sind, können behinderte Menschen auch sogenannte Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten, beispielsweise eine blindentechnische Grundausbildung. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben werden für junge Menschen und Erwachsene erbracht, um ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und damit die Teilhabe am Arbeitsleben auf Dauer zu sichern. Um Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu erhalten, müssen grundsätzlich zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die oder der Betroffene ist behindert oder schwerbehindert oder konkret von einer Behinderung bedroht.
  2. Aufgrund der Behinderung kann die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden oder der Einstieg in den Beruf ist ohne Unterstützung nicht möglich.

Nähere Informationen finden Sie auf der Seite von Rehadat:
https://www.rehadat-bildung.de/de/wieder-einsteigen/finanzielle-foerderung/index.html
oder auf dem Merkblatt der Agentur für Arbeit:
https://www3.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mdk1/~edisp/l6019022dstbai378491.pdf

Persönliches Budget

Beim persönlichen Budget bekommen Sie statt wie gewohnt eine Dienst- oder Sachleistung (beispielsweise Hilfsmittel, Assistenz) durch den zuständigen Leistungsträger (beispielsweise Agentur für Arbeit) eine Geldleistung in Höhe der bewilligten Dienst- und Sachleistungen. Damit kaufen sie sich dann selbst die benötigten Leistungen ein, wie zum Beispiel Assistenz. Voraussetzung für die Bewilligung von Leistungen zur Teilhabe in Form eines Persönlichen Budgets ist eine entsprechende Antragsstellung. Denn nur wer Sachleistungen erhält oder erhalten würde, kann sich diese durch Geldleistungen ersetzen lassen und dieses Budget eigenverantwortlich verwalten. Es gibt das „einfache“ persönliche Budget, bei dem nur ein Leistungsträger zuständig ist und es gibt das trägerübergreifende persönliche Budget, bei dem mehrere Leistungsträger unterschiedliche Teilhabe- und Rehabilitationsleistungen in einem Budget erbringen. So ist es beispielsweise denkbar, dass Sie eine Weiterbildung bewilligt bekommen und sich statt eines Bildungsgutscheins das Geld ausbezahlen lassen und damit eine von Ihnen bevorzugte Weiterbildung finanzieren.

Für eine ausführliche Beratung können Sie sich an das bundesweite Beratungstelefon zum Persönlichen Budget der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V. unter der Telefonnummer 01805 474712 wenden. Alternativ berät sie das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unter der Telefonnummer 01805 676715.

Beteiligung des Arbeitgebers

Immer häufiger beteiligen sich auch Arbeitgeber an den Kosten einer Weiterbildung oder erkennen die Zeit der Weiterbildung (zumindest in Teilen) als Arbeitszeit an. Dafür ist es wichtig, dass Sie Ihren Arbeitgeber von Ihrer Motivation und dem Nutzen der Weiterbildung überzeugen. Bereiten Sie sich daher gut auf ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten vor, in dem Sie sich mit den folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Welche Inhalte werden in der Weiterbildung vermittelt und welchen Bezug haben sie zu Ihrer Tätigkeit?
  • Wie viel Zeit nimmt die Weiterbildung in Anspruch und wie oft gibt es Präsenzzeiten während der üblichen Arbeitszeit?
  • Außerdem wird Ihr Vorgesetzter sich vor allem dafür interessieren: Wann und wie profitiert Ihr Arbeitgeber von Ihrem neuen oder erweiterten Wissen? Wie können Sie das auf der Arbeit nutzen?

In vielen Bundesländern gibt es Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber, die Ihre Mitarbeiter weiterbilden.  In der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie können Sie nach Förderungen suchen: www.foerderdatenbank.de.

Bildungskredit (KfW)

Schüler*innen und Studierende in fortgeschrittenen Ausbildungsphasen haben außerdem die Möglichkeit, ihre Weiterbildung durch ein zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu finanzieren, den sie jederzeit wieder kündigen können. Der effektive Jahreszins liegt bei 0,72 % effektiver Jahreszins,  der Sollzins beträgt 0,72% (Stand: 01.10.2017). Der Kredit wird unabhängig vom eigenen Einkommen und Vermögen sowie dem der Eltern, der Ehegattin bzw. des Ehegatten oder der Lebenspartnerin bzw. dem Lebenspartner (im Sinne einer eingetragenen Lebenspartnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz – LPartG) gewährt. Die maximale Kreditsumme beträgt 7.200 Euro und kann in monatlichen Raten von 100, 200 oder 300 Euro ausgezahlt werden. Auch eine einmalige Auszahlung von bis zu 3.600 Euro ist möglich. Die Rückzahlungspflicht beginnt vier Jahre nach der ersten Auszahlung. Die monatliche Rückzahlungsrate beträgt 120 Euro. Außerordentliche Rückzahlungen sind jederzeit und in beliebiger Höhe kostenfrei möglich.

Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.bildungskredit.de

Kredit

Erwerbstätige können einen zinsgünstigen Weiterbildungskredit bei einer Bank aufnehmen. So können Sie Ihre Weiterbildung entweder in Gänze finanzieren oder Sie nutzen ihn, um die Differenz zwischen gewährten Förderungen und den tatsächlichen Kosten zu decken. Bei einem solchen Darlehen handelt es sich um einen klassischen Ratenkredit, der bei den meisten Banken ab Beträgen von 500 Euro vergeben wird. Kreditnehmer zahlen das Darlehen anschließend in gleichbleibenden monatlichen Raten zuzüglich der fälligen Zinsen an die kreditgebende Bank zurück. Dennoch sollte ein solches Darlehen nie unüberlegt aufgenommen werden, denn Kreditnehmer gehen mit einem Weiterbildungskredit meist eine Verpflichtung für mehrere Jahre ein.

Steuerliche Absetzung

Auch wenn Sie keine der aufgeführten Finanzierungen erhalten, können Sie zumindest sämtliche Kosten einer Weiterbildung steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Das gilt aber nur für Aufwendungen, die nicht vom Arbeitgeber übernommen werden. Stellen Sie für das Finanzamt einen Bezug von Ihrer Weiterbildung zu Ihrer derzeitigen Tätigkeit her. Als Kosten können neben den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren auch Fahrtkosten, Materialkosten, Unterkunfts- und Verpflegungskosten, Kreditkosten geltend gemacht werden. Erst wenn die Weiterbildungskosten zusammen mit anderen Werbungskosten über 1.000 Euro liegen, lohnt sich eine detaillierte Auflistung. Denn das Finanzamt berücksichtigt bei Arbeitnehmern automatisch eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro. Wenn die geltend gemachten Kosten Ihr derzeitiges Bruttoeinkommen übersteigen (beispielsweise während einer Arbeitslosigkeit), können Sie eine Verlustfeststellung beantragen, so dass die Kosten Ihnen im nächsten Jahr anerkannt werden. Der Antrag auf Verlustfeststellung ist sogar rückwirkend möglich. Die Verjährungsfrist läuft erst nach sieben Jahren ab, wenn für das jeweilige Jahr noch keine Steuererklärung eingereicht wurde.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter: https://www.test.de/Steuererklaerung-Bildungskosten-absetzen-5230750-0/

iBoB Weiterbildungsberatung

Sind Sie sich unsicher welche Fördermöglichkeit Sie in Anspruch nehmen können? Über das Kontaktformular auf dieser Seite können Sie sich mit der Weiterbildungsberatung in Verbindung setzen. Wir unterstützen Sie in einem persönlichen oder telefonischen Gespräch bei der Klärung, welche Fördermöglichkeiten für Sie in Frage kommen.

(Stand 03/2018)